GOLDEN AGE

GOLDEN AGE aggregiert in einem Objekt eine der großen philosophischen Fragen unserer Zeit, die sich jedes menschliche Individuum stellen sollte – Mensch sein und bleiben, wieder werden oder nicht? Dendrochronologisch wird anhand der Jahresringanzahl das Baumalter und seiner dazugehörigen Wurzel bestimmt…

… fünf Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung proklamierte der vorsokratische, griechische Philosoph Empedokles, eine, mythisch in Kulturgeschichte und Kosmologie verankerte Grundidee, einer lange währenden, ideellen und immateriellen Ära, welche eine perfekte Gesellschaft beschrieb- das ‚Goldene Zeitalter‘. Hesiod, Lyriker und ebenfalls Grieche, berichtete bereits dreihundert Jahre ausführlich von einer ‚Goldenen Menschengattung‘, die weder Hunger, Krieg, noch Alter, noch Arbeit und auch kein Unglück oder Sorgen kannte. Auch die Orphiker, bekannt für eine, im Einklang mit der Natur, gewaltlose Lebensweise von Mensch und Tier, beriefen sich in ihrer Zeitrechnung auf diese, auch im Orient und Asien bekannte Weltaltertypologie. Materielle Askese als Basis von Glück, Frieden und Zufriedenheit, verfolgten die Kyniker als Lebensideal, welche sich als Reformbewegung an der menschlichen Nullzeit, am bewußten Verzicht auf überflüssige, zivilisatorisch begründete Luxusgüter und Ausschweifungen, orientierte.

Alle aufgeführten Analogien zum Urmodell einer idealen Gesellschaftsstruktur, basieren paradoxerweise, aber vor allem metaphorisch zu verstehen, auf der materiellen Bewertung von Edelmetallen. Gold, Silber, Bronze.

Die aufgrund von Neid, Eifersucht, Gier und Unzufriedenheit folgende Epoche wird bei Hesiod als eine Zeit des Dekonstruktivismus, der Zerstörung und Verfalls, welche bis in unsere Gegenwart anhält, formuliert und letztendlich und folgerichtig unweigerlich zur soziokulturellen Apokalypse führen muss.

Exemplarisch aufzuführen sind aktuell, deutlich negativ zu bewertende Synergien zwischen den vorherrschenden autokratischen und technokratischen Systemen, die kongruente Zunahme geostrategisch begründeter, ressourcensichernder Konflikte und Kriege, die besorgniserregende, fortschreitende Dehumanisierung durch ‚Big Data‘ und ‚Internet of Things‘, welche zwangsläufig über ‚Augmented Reality‘ und wissenschaftlich – philosophisch extrem polarisierenden ‚Transhumanismus‘, zu einer künftig, bereits von Sciencefiction-Autor Gene Rodenberry als ‚Cyborgs‘- bezeichnete, noch fiktive Spezies, die zwar extrem gut vernetzt, aber letztlich, nur als überkomplexes, sich selbst kontrollierendes Daten- und Informationskonglomerat zum reinen Selbstzweck existiert.

Was ist dann in der Zukunft der Sinn des menschlichen Daseins, wenn dieses Dasein sich selbst elimiert und nichts mehr an natürliche Zyklen gebunden ist? Die Natur ist bis ins allerkleinste Detail bis hin zu den Kristallgitterstrukturen von Schneeflocken perfekt programmiert, wird jedoch sukzessive mit jeder vermeintlich innovativen, technischen Erfindung und Entwicklung erstaunlich enthusiastisch weiter Stück für Stück dekodiert. Ist ein funktionierender Quantenrechner auch zugleich ein Quantensprung für die Menschheit?

Wohin führt der Weg? Zurück zu den Wurzeln oder vorwärts, in eine stets vorhersehbare Zukunft mit zuverlässig kalkulierbaren Algorithmen und einer deshalb, ohne Weiteres, getrost mit einem Wachkoma zu vergleichenden, lähmend abartigen Sicherheit, als Systemnummer als Teil eines Großen Ganzen, als 1 oder O, degradiert zum berechenbaren Faktor X ?

Der Titan Kronos, als mythologische Verkörperung der Zeit, welcher in der Urphase der Menschheit, noch bevor alle uns bekannten Religionen künstlich gegründet worden waren, über den chronologischen Ablauf jedes menschlichen Alltags bestimmte- zu einer Zeit, als es noch keine Statussymbole, keine Zugverspätungen, keine Genschere, keine Zeiterfassungs- oder Sozialkreditsysteme, keine Meditationszentren, keine Datenkraken, keinen Negativzins, keine CO2- Steuer, keine Klassen, keine Detoxkuren, keine Kinderbergwerke, keine Spekulationsblasen, keine Jobperformances, Feedbackgespräche, Teambuildingmaßnahmen und keinen Standbymodus gab. Eine Zeit des Glücks, der Harmonie und inneren Zufriedenheit, in der jeder von den Begabungen und Fähigkeiten des anderen unentgeltlich profitierte und man zu schätzen wußte was man hat, nicht was man nicht hat oder haben könnte. – ein GOLDENES ZEITALTER.

© by muskat18