GATE OF LIFE

Diese Arbeit entstand im Zuge der Baumaßnahmen des Gebäudekomplexes für den Suhrkampverlag in Berlin- Mitte – Ecke Torstraße / Rosa- Luxemburgstraße, Torstrasse 44 in 10119 Berlin.

An dem Objekt und den damit verbundenen Baustellensicherungsvorkehrungen, wurden adaptiv Papierbuchstaben appliziert, die einer einfachen Kabelträgerkonstruktion, in diesem Zusammenhang, eine, in unserer Gesellschaft als besonders tabubeladen geltende, neue Bedeutung verliehen.

Die unscheinbare Installation/ Applikation in mitten des pulsierenden Stadtgeschehens wurde für einen Monat zu einem symbolträchtigen Ort, der subtil implementiert und somit weitestgehend unbemerkt, die Banalität von Leben und Tod im Berliner Zentrum, darstellte.

Mit einer täglichen Frequentierung von im Durchschnitt ermittelten ca. 500 Personen, haben in diesem Zeitraum (durch absehbare, wechselnde Witterungsveränderungen – z. Bsp. Regen, Wind, etc…, sowie Vandalismus und regulärer Baustellenbetrieb, im Vorfeld temporär und endlich angelegt), in etwa 15000 Menschen jeder Altersgruppe symbolisch die Schwelle, je nach Laufrichtung vom Diesseits zu Jenseits oder umgekehrt vom Jenseits zum Diesseits beschritten.

Ein weiterer Aspekt der Arbeit war die unmittelbare, nach erfolgtem Transfer, stichprobenartige Benutzerbefragung, welche ergab, dass ca. 1/3 sich nicht im Klaren darüber waren, entweder gerade gestorben oder auferstanden zu sein, was vor allem auf das Fehlen Deutscher Sprachkenntnisse zurückzuführen war. Bei Nichtmuttersprachlern war zudem häufiger zu beobachten, dass diese die Installation, eher als pietätlos empfanden. Deutsche Protagonisten, insbesondere Berliner erkannten jedoch deutlich häufiger, sofort den zusätzlich, ironisch konnotierten Ansatz und den philosophischen, inhaltlichen Wert.

Das Torprinzip, welches in der Architektur- und Baugeschichte neben der Funktion als Zu- und Durchgangselement, weltweit in jedem Gebäude grundsätzlich in Tür- oder Portalform angewendet wird, erschien für die Darstellung des bezeichneten Diskurses als solches am Besten geeignet. Da in vielen Kulturkreisen die absehbare Endphase des Lebens, respektive der Moment des Ausscheidens aus dem biogenen, natürlichen Stoffkreislauf, oftmals eine pathetische, überbewertete Bedeutung aufgetragen wird, obwohl dieses Ereignis mehrere Millionen Male täglich und selbstverständlich stattfindet und weder ungewöhnlich, noch unnatürlich und somit keinesfalls negativ zu tabuisieren ist.

Die Allgegenwart der eigenen Endlichkeit wird in der westlichen Kultur im kollektiven Bewußtsein, während der gesamten Lebenszeit, aufgrund der momentverhafteten, zeitgeistabhängigen, überspontanen Lebensweise verdrängt und ist dann, paradoxerweise, jedoch kurz vor und nach dem Ableben häufig mit überbordenden Zeremonien, Ritualen und der Wunschvorstellung der Hinterbliebenen nach einer weiterführenden Existenz des Gestorbenen verbunden. Diese nicht belegte und damit afaktische, imaginäre Vorstellung eines ‚Jenseits‘ werden in einigen Weltanschauungen u.a mit Wiedergeburt und Auferstehung, sogar als plausibel erklärt. Nahezu alle Religionen sind auf dieses Szenario ausgerichtet worden, um zum Einen, wie beispielsweise sehr signifikant im Christentum, entweder die profane, einfache, banale Lebensphase in festgelegter Abfolge mit einem deutlich ´besserem` Dasein nach eben dieser zu rechtfertigen und zum Anderen, um das limitierte Lebensintervall von Individuen zu kontrollieren. Es warten Hölle oder Himmel, je nachdem, wie man sich verhalten hat- vergleichbar einem prämodernem Sozialkreditsystem, wie es heute bereits in China angewendet wird, um längerfristig Stabilität und Sicherheit gewährleisten zu können- jedoch auf Kosten der persönlichen Freiheit und der dynamisierenden Individualität.


ULTRAMUNDUS – JENSEITS / SAECULUM – DIESSEITS, projektabschließend als frei stellbares, interaktiv benutzbares Objekt konzipiert, greift den alltäglich stattfindenden Transfermoment, des Kommen und Gehens, Leben und Tod, auf und wurde in klassischer Rahmenbauweise aus in situ aufgefundenen Verschalungsbrettern der selben o.g. Baustelle gefertigt und vom Außen- in den Innenraum transportiert.

© by muskat18

:: Gebäudekomplex Suhrkamp- Verlag/ Berlin Mitte ::


BLACK SNOW CUBE

… different shapes of ice crystals and cubic limits. glacialogy is the sience of snow and ice.

The sekka zusetsu is a very detailed figure collection of 86 drawings, which display observation results of water droplets transformations into ice crystals. A microscopical view written in 1832 by an autodidact, who obsessively observed snowflakes- geometrically perfect shapes based on hexagons.

Doi Toshitsuras (1789- 1848) methodical observation procedure:

1 Put a black cloth out side at night, when it seems cold enough to snow. 2 Receive snowflakes with the cloth. 3 If you get snowflakes pick them up carefully and put into a black cup. 4 Be careful not to breathe on them and observe them with a microscope.


in the dawn, whales breathing out. just an ocean of frost.

Kato Gyôdai (1732- 1792)

A Japanese ‚haiku‘ poem is like a written screenshot. Haikus describe scenes, seasons, situations and generate emotions by aggregating nature phaenomena, objects, subjects and their interactions to moments of calming introspection and sensual perception.

© by muskat18

GOLDEN AGE

GOLDEN AGE aggregiert in einem Objekt eine der großen philosophischen Fragen unserer Zeit, die sich jedes menschliche Individuum stellen sollte – Mensch sein und bleiben, wieder werden oder nicht? Dendrochronologisch wird anhand der Jahresringanzahl das Baumalter und seiner dazugehörigen Wurzel bestimmt…

… fünf Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung proklamierte der vorsokratische, griechische Philosoph Empedokles, eine, mythisch in Kulturgeschichte und Kosmologie verankerte Grundidee, einer lange währenden, ideellen und immateriellen Ära, welche eine perfekte Gesellschaft beschrieb- das ‚Goldene Zeitalter‘. Hesiod, Lyriker und ebenfalls Grieche, berichtete bereits dreihundert Jahre ausführlich von einer ‚Goldenen Menschengattung‘, die weder Hunger, Krieg, noch Alter, noch Arbeit und auch kein Unglück oder Sorgen kannte. Auch die Orphiker, bekannt für eine, im Einklang mit der Natur, gewaltlose Lebensweise von Mensch und Tier, beriefen sich in ihrer Zeitrechnung auf diese, auch im Orient und Asien bekannte Weltaltertypologie. Materielle Askese als Basis von Glück, Frieden und Zufriedenheit, verfolgten die Kyniker als Lebensideal, welche sich als Reformbewegung an der menschlichen Nullzeit, am bewußten Verzicht auf überflüssige, zivilisatorisch begründete Luxusgüter und Ausschweifungen, orientierte.

Alle aufgeführten Analogien zum Urmodell einer idealen Gesellschaftsstruktur, basieren paradoxerweise, aber vor allem metaphorisch zu verstehen, auf der materiellen Bewertung von Edelmetallen. Gold, Silber, Bronze.

Die aufgrund von Neid, Eifersucht, Gier und Unzufriedenheit folgende Epoche wird bei Hesiod als eine Zeit des Dekonstruktivismus, der Zerstörung und Verfalls, welche bis in unsere Gegenwart anhält, formuliert und letztendlich und folgerichtig unweigerlich zur soziokulturellen Apokalypse führen muss.

Exemplarisch aufzuführen sind aktuell, deutlich negativ zu bewertende Synergien zwischen den vorherrschenden autokratischen und technokratischen Systemen, die kongruente Zunahme geostrategisch begründeter, ressourcensichernder Konflikte und Kriege, die besorgniserregende, fortschreitende Dehumanisierung durch ‚Big Data‘ und ‚Internet of Things‘, welche zwangsläufig über ‚Augmented Reality‘ und wissenschaftlich – philosophisch extrem polarisierenden ‚Transhumanismus‘, zu einer künftig, bereits von Sciencefiction-Autor Gene Rodenberry als ‚Cyborgs‘- bezeichnete, noch fiktive Spezies, die zwar extrem gut vernetzt, aber letztlich, nur als überkomplexes, sich selbst kontrollierendes Daten- und Informationskonglomerat zum reinen Selbstzweck existiert.

Was ist dann in der Zukunft der Sinn des menschlichen Daseins, wenn dieses Dasein sich selbst elimiert und nichts mehr an natürliche Zyklen gebunden ist? Die Natur ist bis ins allerkleinste Detail bis hin zu den Kristallgitterstrukturen von Schneeflocken perfekt programmiert, wird jedoch sukzessive mit jeder vermeintlich innovativen, technischen Erfindung und Entwicklung erstaunlich enthusiastisch weiter Stück für Stück dekodiert. Ist ein funktionierender Quantenrechner auch zugleich ein Quantensprung für die Menschheit?

Wohin führt der Weg? Zurück zu den Wurzeln oder vorwärts, in eine stets vorhersehbare Zukunft mit zuverlässig kalkulierbaren Algorithmen und einer deshalb, ohne Weiteres, getrost mit einem Wachkoma zu vergleichenden, lähmend abartigen Sicherheit, als Systemnummer als Teil eines Großen Ganzen, als 1 oder O, degradiert zum berechenbaren Faktor X ?

Der Titan Kronos, als mythologische Verkörperung der Zeit, welcher in der Urphase der Menschheit, noch bevor alle uns bekannten Religionen künstlich gegründet worden waren, über den chronologischen Ablauf jedes menschlichen Alltags bestimmte- zu einer Zeit, als es noch keine Statussymbole, keine Zugverspätungen, keine Genschere, keine Zeiterfassungs- oder Sozialkreditsysteme, keine Meditationszentren, keine Datenkraken, keinen Negativzins, keine CO2- Steuer, keine Klassen, keine Detoxkuren, keine Kinderbergwerke, keine Spekulationsblasen, keine Jobperformances, Feedbackgespräche, Teambuildingmaßnahmen und keinen Standbymodus gab. Eine Zeit des Glücks, der Harmonie und inneren Zufriedenheit, in der jeder von den Begabungen und Fähigkeiten des anderen unentgeltlich profitierte und man zu schätzen wußte was man hat, nicht was man nicht hat oder haben könnte. – ein GOLDENES ZEITALTER.

© by muskat18

MAGIC SUNSET CUBE

builts a visual bridge between the unprecedented Rubik invention, the groundbreaking calculation method of Gauß and the sensuos connoted experience of daily physical nature phenomena. All surfaces are covered with iridescent papers which catching every perciptible colour of an original sunrise or sunset.

The “magic cube“ has been one of the worldwide top sellers since 1980 until the beginning of the Great- Digitalisation. Ernő Rubik, a Hungarian architect and designer, who let patent his invention in 1976 developed this movable 3D object to improve spatial senses and thinking.

To calculate sunset and sunrise times exactly, you need the Method of least squares, wich has been develeoped in 1795 by the ingenious German mathematician Carl Friedrich Gauß at age of 18.

MAGIC SUNSET CUBE  schlägt imaginär eine visuelle Brücke zwischen der beispiellosen Rubik- Erfindung, der bahnbrechenden Gauß`schen Rechenmethode und dem sinnlich konnotierten Erleben täglicher, physikalischer Naturphänome. Alle Oberflächen sind mit einer irisierenden Papierschicht einzeln von Hand beklebt und greifen alle bei Sonnenauf- und untergang vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben auf.

Der weltweit bekannte Rubik`s cube, wurde vom ungarischen Architekten und Designer Ernő Rubik erfunden und 1976 als Patent angemeldet. Seit 1980 war der auch als magic cube bezeichnete Zauberwürfel bis zu Beginn der Digitalisierung, vor allem in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts einer der meistverkauften Spielzeuge der Welt. Das 3-dimensionale, mechanisch funktionierende Objekt kann in 20 Zügen in die originale Ausgangsposition gedreht werden, die aus 6 Farbflächen (Rot, Gelb, Blau, Grün, Orange und Weiß) zu je 9 Quadratfeldern besteht.

Um den exakten Zeitpunkt eines Sonnenaufgangs oder -untergangs berechnen zu können, greift man auf die „Methode der kleinsten Quadrate“ zurück, die der geniale Mathematiker Carl Friedrich Gauß im Jahr 1795 entwickelte.

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CODEX BACH

is a tridimensional homage to Johann Sebastian Bach and his  Suite No.1 in G Major“  , one of his most impressive pieces of music ever. The first note line is embedded as inlaid work into a wooden body of shellac-handpolished beech wood and works like a handle to open/ close.

The physical object describes human perception and examines the concept of time according to immateriality and materiality, their correlation and the linking of main physical stimulus sensations at receptive and cognitive levels, which will only be experienced through spaces and objects in general. Main focus is the shift of context and/ or transformation of shapes with semiotic significances. The object regarding to its real materiality recalls to the past into the present and results future.

This outstanding interpretation of a „music box“ emphasizes tradional manufacturing of classic music instruments by using shellac combined with mattfinshed black. Shellac is a natural lacquer, which is produced by symbiotic interaction between animals (Kerria lacca), plants and humans.

Because of invention and extensive use of plastics at the beginning of the 20th century, shellac became forgotten as biogenic raw material. Because of more efficient producibility in the name of industrialization and mass production shellac was not viable anymore.

Das einzigartige Aufbewahrungsobjekt ist eine gestalterische Hommage an Johann Sebastian Bach und seine „SUITE No.1 in G Major“, eines seiner beeindruckendsten Musikstücke überhaupt. Die erste Notenzeile ist als filigrane Einlegearbeit, im Korpus des Kästchens aus schellackhandpoliertem Buchenholz eingelassen, und fungiert als Griffstück, um das Objekt öffnen und schließen zu können. Diese herausragende Interpretation einer „Musikbox“ unterstreicht die traditionelle Herstellung klassischer Musikinstrumente durch die Verwendung von honigfarbenem Schellack in Kombination mit mattem Schwarz. Schellack ist ein natürlicher Lack, der durch symbiotische Interaktion zwischen Tieren (Kerria lacca), Pflanzen und Menschen weitestgehend unverändert tradiert, hergestellt wird.

Das Aufbewahrungsobjekt untersucht den Begriff Zeit nach Immaterialität und Materialität, deren Korrelation und die Verknüpfung physischer, sensueller Reizempfindungen als kognitive Wahrnehmung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kontextverschiebung und die Transformation von Formen mit semiotischen Bedeutungen. Das konkrete, physische Objekt spannt einen Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft und beschreibt Zeit als vierte, relative, nicht berührbare, aber dennoch wahrnehmbare Dimension.

© by muskat18

THEA

Die Sitzbank, aus unbehandeltem Fichtevollholz und apfelbaumfurniertem Kiefernholz lädt den Benutzer, durch sichtbare Funktionalität und raffinierte Details zum längeren Verweilen ein. Das in Handarbeit auf traditionelle Weise angefertigte Designmöbel ist ein multifunktionales Sitzmöbel und kann zudem als Aufbewahrungsmöbel verwendet werden. Die Sitzbank hat die Abmaße: 39h x 99b x 24t (in cm).

This bench is manufactured with solid spruce wood and apple wood veneers, without any surface finishing. Dimensions: 39h x 99b x 24d (in cm).

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THOMAS

Die Sitzbank, aus unbehandeltem Kiefernschichtholz und Fichtevollholz, verweist kompromisslos durch ihr reduziertes Design und die geometrische Formensprache auf ihre Funktion als Sitzmöbel. Durch das zeitgemäße Design und die auf natürliche Weise entstehende Patina bietet dieses Designmöbel eine einzigartiges Wohngefühl für den Benutzer. Die Sitzbank hat die Abmaße: 26h x 145b x 54t (in cm).

This bench is made of untreated pine wood and patinated spruce wood. Dimensions: 26h x 145b x 54d (in cm).

© by muskat18